Clavanza.ch

Inserat und Vermarktung

Eine neue Buchungsplattform ist da: Was das für deine Kanalwahl wirklich bedeutet

Mit Clavanza.ch ist ein neues, auf die Schweiz ausgerichtetes Buchungsportal gestartet. Statt gleich ein weiteres Inserat zu pflegen, lohnt sich ein kurzer Check: Welche Kriterien muss ein neuer Kanal erfüllen, bevor er einen Platz in deiner Vermarktung verdient?

Clavanza · 1. Oktober 2026 um 18:00 · 4 Minuten Lesezeit

Ein neuer Name ist noch kein neuer Grund zu handeln

Mit Clavanza.ch ist ein neues, auf die Schweiz ausgerichtetes Buchungsportal live gegangen. Für dich als Eigentümerin oder Gastgeber einer oder mehrerer Ferienwohnungen ist das zunächst nur eine Information, keine Handlungsaufforderung. Nicht jede neue Plattform verdient einen Platz in deiner Vermarktung - und jedes zusätzliche Inserat kostet Zeit: Fotos und Texte oder Anfragen beantworten. Die Frage ist deshalb nicht "gibt es etwas Neues?", sondern "erfüllt es meine eigenen Kriterien?".

Vier Punkte helfen dabei, das in wenigen Minuten einzuordnen.

1. Reichweite: Wer sucht dort tatsächlich?

Eine neue Plattform hat naturgemäss noch wenig Suchvolumen. Das ist kein Ausschlusskriterium, aber ein Fakt, den du einpreisen solltest: Ein zusätzlicher Kanal bringt erst dann etwas, wenn echte Anfragen kommen - nicht, wenn nur ein Inserat online steht. Deshalb macht Clavanza Werbung für die Plattform aber, auf Wunsch, auch für deine Unterkunft, mit dem Ziel deine Auslastung zu verbessern.

2. Kosten: Was bleibt nach der Provision übrig?

Vergleiche die Gebühr immer all-in, also inklusive Zahlungsabwicklung - sonst vergleichst du eine nackte Provision mit einem Gesamtpreis. Aktuell gelten diese veröffentlichten Sätze:

Plattform Gebühr (all-in)
Clavanza 9.9 %
Airbnb 15.5 %
Vrbo (ohne Kanalverwaltung) 12 %
atraveo by Interhome (vormals e-domizil) 17.5 %

Gerechnet auf eine Beispielbuchung von CHF 1'850 (zum Beispiel 7 Nächte à CHF 250 plus CHF 100 Reinigungspauschale) ergibt das folgende Provisionsbeträge:

Plattform Provision in CHF
Clavanza (9.9 % von CHF 1'850) CHF 183.15
Airbnb (15.5 % von CHF 1'850) CHF 286.75
Vrbo (12 % von CHF 1'850) CHF 222.00
atraveo by Interhome (17.5 % von CHF 1'850) CHF 323.75

Wichtig für die Einordnung: Bei Airbnb gilt dieser Satz seit der Umstellung auf das reine Host-only-Modell Mitte Oktober 2026.

3. Auszahlung und Zuverlässigkeit

Prüfe nach, wann das Geld tatsächlich ankommt - vor Anreise, nach Check-in oder erst Wochen nach Abreise. Das unterscheidet sich stark zwischen Anbietern und betrifft direkt deine Liquidität, besonders wenn du mehrere Buchungen gleichzeitig laufen hast. Frag auch, wie ein Streitfall oder eine Stornierung abgewickelt wird und wer dafür zuständig ist - das zeigt sich oft erst, wenn es konkret wird, nicht in der Werbung. Bei Clavanza liegt der Betrag ab dem Zahlungseingang auf deinem eigenen Stripe-Konto und gehört dir - du siehst ihn dort sofort. Verzögert ist allein die Überweisung auf dein Bankkonto, und sie kommt in zwei Schritten. Den Übernachtungsanteil abzüglich Provision wird dir überwiesen, sobald deine eigene Stornostaffel keine Erstattung des Übernachtungspreises mehr vorsieht. Bei der Standardstaffel sind das 13 Tage vor Anreise. Die Reinigungspauschale bleibt bis zuletzt erstattungsfähig und folgt am Anreisetag. Der Grund ist nicht Misstrauen, sondern die Zeitspanne: Zwischen Zahlung und Aufenthalt liegen im Saisongeschäft Monate, und bis dahin können Stornierung oder Rückbuchung anfallen. Beide werden deinem Stripe-Konto belastet, weil die Zahlung dort entstanden ist. Ist das Guthaben schon auf deinem Bankkonto, entsteht ein Negativsaldo - genau das verhindert die Staffelung. Legst du eine grosszügigere Stornofrist fest, verschiebt sich der erste Schritt entsprechend nach hinten. Du steuerst den Zeitpunkt also selbst, über deine Stornobedingungen.

4. Bindung: Verlangt die Plattform Exklusivität oder Preisparität?

Seit dem 1.12.2022 verbietet Art. 8a UWG Online-Buchungsplattformen, Beherbergungsbetrieben per Geschäftsbedingungen eine Preis- oder Angebotsparität gegenüber anderen Kanälen vorzuschreiben - die sogenannte "Lex Booking". Ob diese Norm auch private Ferienwohnungsvermieter ohne gewerblichen Beherbergungsbetrieb erfasst, ist rechtlich nicht abschliessend geklärt. Unabhängig davon lohnt sich die Frage bei jeder neuen Plattform: Darfst du dort und anderswo unterschiedliche Preise verlangen, und musst du exklusiv bleiben? Eine Plattform ohne Exklusivitätspflicht lässt sich risikolos zusätzlich testen.

Kalender zuerst, Entscheidung danach

Bevor du eine neue Plattform überhaupt in Betracht ziehst, braucht es eine technische Grundvoraussetzung: Dein Kalender muss synchron bleiben. Wer auf mehreren Kanälen gleichzeitig inseriert, ohne die Belegung automatisch abzugleichen (iCal-Export/-Import oder ein Channel-Manager), riskiert Doppelbuchungen - und eine Doppelbuchung in der Hochsaison kostet mehr als jede eingesparte Gebühr. Prüfe das zuerst, dann erst, ob sich das Inserat lohnt.

Testen statt wechseln

Ein neuer Kanal muss nicht sofort den bisherigen ersetzen. Es reicht, ihn für ein Objekt oder eine Saison parallel laufen zu lassen und danach ehrlich zu bilanzieren: Wie viele Anfragen kamen, wie war die Kommunikation, kam das Geld wie versprochen an? Diese Erfahrung sagt mehr über eine Plattform als jede Ankündigung zum Markteintritt.

Quellen

  1. https://clavanza.ch/vermieter
  2. https://www.airbnb.ch/resources/hosting-homes/a/simplifying-service-fees-on-airbnb-771
  3. https://help.vrbo.com/articles/How-is-the-booking-fee-calculated
  4. https://www.e-domizil.ch/vermieter/
  5. https://fedlex.data.admin.ch/filestore/fedlex.data.admin.ch/eli/cc/1988/223_223_223/20221201/de/pdf-a/fedlex-data-admin-ch-eli-cc-1988-223_223_223-20221201-de-pdf-a.pdf

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